Sonntag, 8. März 2015

Drogenabhängige Affen

"Und nun die Nachrichten im Überblick. Heute Morgen wurde in einer Seitenstraße die Leiche eines Schimpansen gefunden. Der Polizei zufolge soll die Obduktion ergeben haben, dass der Menschenaffe an einer Überdosis Kokain gestorben ist. Wie es dazu kam und wer ihm die Drogen verabreicht hat, ist bisher noch unklar."

Zwei Tage zuvor

Mit dröhnenden Kopfschmerzen wachte er auf. Er wusste nicht wo er war und schaute sich suchend um. Links und rechts neben ihm waren nur Hauswände genauso wie hinter ihm. Es war hell und die Sonne schmerzte in seinen Augen. Er würde warten müssen bis es wieder Nacht wird. Denn gesehen zu werden konnte er auf gar keinen Fall riskieren. Etwas weiter vorne in der Straße standen ein paar Mülltonnen, die vermutlich das letzte Mal vor zwei, drei Monaten abgeholt worden waren. Vorsichtig rappelte er sich auf, die Augen nur einen Spaltbreit geöffnet, wagte er sich weiter vor. Als er sicher sein konnte, dass keiner da war, nahm er die Deckel von den Tonnen und durchwühlte sie, in der Hoffnung etwas essbares zu finden. Er musste einige Zeit kramen, bis er schließlich zwei dunkelbraune Bananen und einen angebissenen Apfel fand. Mit den Sachen unterm Arm kehrte er an den Platz, an dem er aufgewacht war, zurück. Er legte das Obst neben sich, dann nahm er die eine Banane, schälte sie, was sich allerdings als schwierig erwies, da sie schon ziemlich matschig war. Zum Schluss leckte er genüsslich die Reste von seinen Fingern und warf die Schale weg. Den Rest beschloss er aufzuheben. Noch immer stand die Sonne hoch am Himmel. Er schloss seine Augen.

Als er wieder aufwachte, war es bereits tiefe Nacht. Er aß schnell den Apfel und nahm die zweite Banane mit sich. Vorsichtig schlich er durch die menschenleeren Gassen. Er wusste genau wohin er musste um an das zu kommen was er am meisten brauchte. Als er den Ort erreichte, wurde es bereits heller. Er musste sich beeilen. Da vorne saß auch schon die Person zu der er wollte. Langsam schlich er sich an ihn heran. Wie immer lag er reglos da, mit einer Spritze im Arm. Die leisen Atemgeräusche waren kaum wahrnehmbar. Darauf bedacht keinen Lärm zu machen begab er sich zu dem Tisch, wo der Mensch die Tüten mit dem weißen Pulver aufbewahrte. Heute lagen mehr als sonst darauf. Er nahm normalerweise nur eine, aber wo doch heute so viel da lag, nahm er mehr. Als Ersatz legte er seine Banane dorthin. Dann machte er sich davon, bevor der Mensch wieder aufwachte. Langsam ging die Sonne auf. Schnell zog er sich in eine kleine Seitenstraße zurück. Dort riss er vorsichtig eine Tüte nach der anderen auf und sog das Pulver ein, bis nichts mehr übrig war. Danach legte er sich zufrieden auf den kalten Boden von dem er nie wieder aufstehen würde. Es dauerte einen ganzen Tag, ehe die Leiche des drogenabhängigen Schimpansen gefunden wurde.

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